Lieber Mensch der dies liest,

von klein auf bin ich äußerst sensibel was die Stimmungen und Gefühle meiner Mitmenschen angeht. Dies betrifft nicht nur meine Familie oder meinen Freundeskreis. Nein, es können die Menschen in einem Film sein oder in einem Buch das ich lese. Es kann jemand sein, der mir im Zug gegenüber sitzt oder auf der Straße an mir vorbei geht. Es können die Menschen sein, die in dem Gefängnis inhaftiert sind, neben dem ich als Kind gewohnt habe. Völlig egal, ich kann immer das Unfassbare, das Ungreifbare, das nicht mit dem Verstand zu erklärende, spüren.

All dies, ich will es einmal Emotionen nennen, ja all dies was mir da so entgegen schwappt, sauge ich auf, wie ein Schwamm. Dabei verurteile ich keinen Menschen für das was ich das so spüren kann, denn tief in mir glaube ich an das Gute in jedem Menschen. Nein, ich habe es einfach nur ertragen und aufgenommen. Ich habe niemals Emotionen aussortiert oder bewertet, ich habe sie alle einfach angenommen und sie zu meinen eigenen gemacht.

Gott weiß, ich bin keine Mutter Theresa! All diese Prozesse laufen meistens unterbewusst ab. Ich konnte sie bisher nicht steuern und nicht kontrollieren. Ich konnte mich auch nicht dagegen wehren, es ist einfach passiert.

Bis jetzt, zu diesem Augenblick, bis zu diesem Augenblick, an dem ich einfach das Gefühl habe ich bin bis oben hin voll und angestaut mit Emotionen.

Jetzt ist für mich der Zeitpunkt gekommen, an dem ich all das, was ich in den vierzig Jahren meines bisherigen Lebens aufgesammelt und aufgenommen habe, wieder an die Welt zurückgeben kann. Nicht aus Ärger, Wut oder Verzweiflung und schon gar nicht um irgendjemanden damit weh zu tun. Sondern einfach nur, weil ich weiß, dass ich jetzt bereit dazu bin.

Dieser Blog soll kein Jammerszenario sein, sondern einfach nur die Versöhnung mit mir selbst.

Alles Liebe

Andrea